
Gigantische Inlandsaufträge, Erfolge in Übersee: Chinas Telekomausrüster Huawei und ZTE nehmen die Konkurrenz in die Mangel. Nun sollen sogar noch Pekings Devisenreserven den nationalen Champions helfen.
(...) Tatsächlich wird nirgendwo sonst so viel Geld für neue Telekommunikationsnetze ausgegeben wie in China: 2009 und 2010, heißt es in einer Studie der Ratingagentur Fitch, werden die Chinesen 88,8 Mrd. $ allein in ihre Handynetze stecken; 40 Mrd. $ waren es bereits 2008. Drei komplett neue UMTS-Netze sollen auf Geheiß Pekings aufgebaut werden. Der mit 457 Millionen Kunden größte Mobilfunkkonzern der Welt, China Mobile, setzt zudem auf den heimischen UMTS-Standard TD-SCMA - eine Technik, die maßgeblich von NSN in China mitentwickelt wurde.
Doch zum Feiern besteht wenig Anlass. Denn die Investitionsorgie im Reich der Mitte ist kaum darauf ausgerichtet, die drei großen westlichen Ausrüster Ericsson, NSN und Alcatel-Lucent zu stärken. Vielmehr setzt das Milliardenvolk selbst zum großen Sprung nach vorn an: Die beiden im Perlflussdelta ansässigen Konzerne Huawei und ZTE vereinen den Löwenanteil der Auftragsschwemme auf sich - was die Weltmarktgewichte weiter zugunsten der Chinesen verschiebt. Schon 2008 konnte sich Huawei auf Platz vier der weltgrößten Mobilfunklieferanten vorarbeiten. Mit zwölf Prozent im vierten Quartal hat der Konzern seinen Marktanteil gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, so das US-Marktforschungsunternehmen Dell'Oro.
Chinas Nummer zwei, ZTE, ist wiederum mit fünf Prozent Marktanteil kurz davor, den angeschlagenen kanadischen Rivalen Nortel auf dem Weltmarkt von Platz fünf zu verdrängen. Überdies hat ZTE eigenen Angaben zufolge bereits rund 30 Prozent aller UMTS-Aufträge aus China ergattert. Dazu passt auch die Bilanz für 2008, die ZTE Ende vergangener Woche vorstellte: Danach steigerte der Konzern den Umsatz um 27 Prozent auf umgerechnet 4,73 Mrd. Euro. (...).
(...) Peking [beabsichtigt], seine immensen Währungsreserven von 2000 Mrd.$ auch zum Wohle der Telekomindustrie einzusetzen. Einen Teil der Mittel wolle die Regierung als Kredite für die Auslandsexpansion seines Konzerns zur Verfügung stellen, enthüllt ZTE-Finanzvorstand Wei Zaisheng gegenüber der FTD. "Sie wollen mit uns nach Übersee gehen", freut sich Wei. Einwände, dass dies den Markt verzerren könnte, wischt der ZTE-Manager vom Tisch: "Es ist gut, das Geld der chinesischen Finanzindustrie einzusetzen, um damit den globalen Telekommunikationsmarkt zu stimulieren." Dass "westliche Ausrüster einen höheren Marktanteil in China erreichen, als wir erwartet haben", sieht Wei als Beweis für einen funktionierenden Wettbewerb.
(...) Auch ZTE-Vorstand Wei sieht den Erfolgsfaktor in der Manpower. "In China gibt es jährlich sechs Millionen Universitätsabsolventen. Nur sechs Prozent von ihnen ergattern einen Job. Das ist zwar bitter für die Studenten, aber gut für uns", sagt er. Schließlich erlaube dies ZTE, viele billige Ingenieure einzustellen und ein breites Produktportfolio weiterzuentwickeln. "Im Gegensatz zu anderen Herstellern steigern wir unsere Forschungs- und Entwicklungsausgaben", sagt er. Und findet dafür eine altruistisch anmutende Begründung: "ZTE kann mehr tun, um die Welt zu verbessern." (...)
(Quelle: Financial Times Deutschland, 23.03.2009)