
Chinesische Telekomausrüster starten Aufholjagd
Der chinesische Telekomausrüster ZTE hat sich ehrgeizige Wachstumspläne gesetzt: Der fünftgrößte Hersteller von Mobilfunk- und Glasfasernetzen will seinen Marktanteil von aktuell acht Prozent auf rund 20 Prozent ausdehnen und damit zum drittgrößten Anbieter weltweit aufsteigen. „Das können wir in den kommenden fünf Jahren schaffen“, sagt Vizepräsident Zhigang Zhang dem Handelsblatt.
Ein ambitioniertes Ziel – ZTE müsste seinen Umsatz von zuletzt 4,6 Mrd. Euro mehr als verdoppeln, um an dem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Huawei vorbei zu ziehen. „Ich halte eine solche Wachstumsrate für schwierig“, sagt Nicolas von Stackelberg von Sal. Oppenheim. „Sicher ist aber, dass die chinesischen Anbieter derzeit eine Art Sonderkonjunktur erleben und sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr Marktanteile gewinnen werden.“
Grund dafür sind riesige Aufträge aus dem Heimatmarkt China: Dort bauen drei Mobilfunknetzbetreiber neue Netze und geben dafür in den kommenden dreieinhalb Jahren rund 43 Mrd. Euro aus. Ein so großes Auftragsvolumen bietet kein anderer Markt. Nutznießer sind vor allem die heimischen Ausrüster ZTE und Huawei. (...)
Die etablierten westlichen Rivalen wie Ericsson oder Nokia Siemens Networks sehen das Voranpreschen ihrer chinesischen Konkurrenten mit Sorge. In einem Markt, der ohnehin durch den Sparzwang der Netzbetreiber wie Vodafone bestimmt ist, üben ZTE & Co. zusätzlichen Druck auf die Preise aus.
(...). Zhang will davon nichts wissen. „Wettbewerb um den Preis ist kein Patentrezept der Chinesen, den hat es auch vorher schon gegeben“, wehrt er ab. Gleichzeitig betont er jedoch, dass ZTE mit die niedrigsten Kosten der Branche habe. Auch Analyst von Stackelberg bescheinigt den Chinesen „strukturelle Kostenvorteile“.
Die chinesische Auftragsflut verleiht den Herausforderern dennoch einen zusätzlichen Schub: Das Gros der Aufträge wurde im Frühjahr vergeben und hat Umsatz und Nettogewinn von ZTE im ersten Halbjahr um 40 Prozent beflügelt. Mitten in der Rezession gleicht das einem Wunder. Zum Vergleich: Die Einnahmen der Nummer zwei des Marktes, Nokia Siemens Networks, sind in demselben Zeitraum um 17 Prozent gesunken, die von Alcatel-Lucent um sechs Prozent.
Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung ihren Ausrüstern unter die Arme greift. Die Entwicklungsbank stellt einen Teil ihrer enormen Währungsreserven als Kredite zur Verfügung. ZTE kann auf eine Kreditlinie in Höhe von 15 Mrd. Dollar zurückgreifen – das ist mehr als das Dreifache des Jahresumsatzes. Dieses Geld kann ZTE für eigene Investitionen verwenden, aber auch seinen Kunden als Kredit anbieten, wenn die wegen der Finanzkrise Probleme haben, sich bei anderen Banken Kapital zu besorgen. (...)
Die Mega-Projekte im Reich der Mitte haben dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Aufträge aus dem Inland kamen. Zuvor erzielte ZTE bereits 60 Prozent des Umsatzes außerhalb der eigenen Grenzen. „Unser Ziel ist, diesen Anteil noch zu erweitern oder zumindest stabil zu halten“, kündigt Zhang an. Dabei schielt er unter anderem auf den indischen Markt, wo Anfang kommenden Jahres ebenfalls schnellere Mobilfunknetze gebaut werden sollen.
Die Chinesen sind aber nicht nur billig, sondern inzwischen auch Motor für Innovationen. Eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little kommt zu dem Ergebnis, dass Huawei und Weltmarktführer Ericsson technologisch die fortschrittlichsten Unternehmen sind. Huawei und ZTE zählen die meisten großen Netzbetreiber wie Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone zu ihren Kunden. ZTE produziert auch Handys und ist in dem Bereich die Nummer sechs in der Welt.
(Quelle: Handelsblatt, 31. August 2009)