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Transparenz schafft Vertrauen

 

 

Transparenz schafft Vertrauen

 

Interview with Dr. Zhigang Zhang Vice President von ZTE Europa und Nordamerika

 

Business&IT: Warum baut ZTE, der größte an der Börse notierte Telekommunikations-Ausrüster in China, zur Zeit gerade in Deutschland seine Präsenz so stark aus?

 

Dr. Zhigang Zhang: Die ZTE Deutschland GmbH ist Drehscheibe für einen gewichtigen Anteil der weltweiten Aktivitäten von ZTE und zeich­net verantwortlich für Partnerschaften mit wichtigen internationalen Netzbetreibern. Hinzu kommt, dass für uns die Nähe zu unseren Kun­den ein strategisches Anliegen ist – weshalb wir Vodafone von unserer Hauptniederlassung in Düsseldorf wie auch über ein Büro in Luxemburg unterstützen und die Deutsche Telekom von unserem Bonner Office aus betreuen. Deutschland ist ein sehr bedeutender europäischer Te­lekommunikationsmarkt – wir sind hier an Ausschreibungen bei allen großen Netzbetreibern beteiligt.

 

Business&IT: Was macht ZTE genau?

 

Dr. Zhigang Zhang: Momentan konzentrieren wir uns auf die großen Telekommunikations-Anbieter, wobei wir regionale Netzbetreiber nicht ausschließen. Fallweise arbeiten wir auch mit Systemhäusern als Ko­operationspartner zusammen, die unsere Produkte vertreiben. Dabei entwickeln, liefern und installieren wir nahezu alles, was man in der Te­lekommunikation braucht: von Endgeräten wie zum Beispiel Handys und Datensticks, über Server und Software – zum Beispiel Billingsysteme – bis hin zur gesamten Palette an Festnetz- und Mobilfunktechnik. 

 

Wir verstehen uns als Lösungsanbieter. Dass wir die ganze Bandbreite der Technik beherrschen, sehen wir als Wettbewerbsvorteil, weil wir so unseren Kunden wirkliche End-to-End-Lösungen anbieten können.

 

Business&IT: ZTE bietet ein spezielles Finanzierungsmodell an.

 

Wie funktioniert es und welche Sicherheiten werden verlangt?

Dr. Zhigang Zhang: Wir haben schnell wahrgenommen, dass auch gesunde internationale Unternehmen zunehmend Bedarf haben, Kre­dite für neue Investitionsvorhaben aufzunehmen. Um diese dabei zu unterstützen, haben mehrere chinesische Banken, darunter die China Development Bank, ZTE bislang insgesamt 25 Milliarden US-Dollar an Finanzierungsmitteln zur Verfügung gestellt.

Unsere Kunden in aller Welt, aber auch in Deutschland, können mit diesen Krediten nicht nur die Anschaffung von ZTE-Equipment finanzie­ren, sondern auch den Betrieb der Netze sicherstellen. Der Zinssatz ist günstig, die notwendigen Sicherheiten sind banküblich und ZTE garan­tiert für eine etwaige Finanzierungslücke.

 

Business&IT: Meldungen in der britischen Presse erhärten immer wieder den Verdacht, dass in chinesischen Produkten für die Festnetz- oder Mobilfunk-Infrastruktur Hintertüren für Wirtschaftsspionage eingebaut sein könnten. Was sagen Sie dazu?

 

Dr. Zhigang Zhang: Zunächst einmal muss eine Unschuldsvermutung gelten. Wenn es aber Beweise für das Eindringen in Netzwerke gibt, so muss man ganz klar sagen, dass dies illegal und eine Straftat ist. Auch in China wäre das Abhören oder illegale Sammeln von Daten aus einem Netzwerk eine Straftat und würde geahndet werden. Man sollte wissen: Die chinesischen Netze bestehen zum größten Teil aus west­licher Kommunikationstechnik, ohne dass die chinesischen Kunden ihr bislang misstrauten.

 

Unsere Antwort auf solche Gerüchte ist, dass wir uns um Trans­parenz bemühen und das Vertrauen unserer Kunden systematisch durch Auditierungen vor Ort erarbeiten. So wurde ZTE zum Beispiel von Vodafone im Jahr 2008 als „ethischer Zulieferer“ qualifiziert.

Unsere Kunden kommen zu uns nach China und können mit allen relevanten Mitarbeitern ohne Einschränkung sprechen. Auch unsere Standards im Bereich Corporate Social Responsibility sind sehr hoch. So sind wir in diesem Jahr unter anderem Mitglied von Global Com­pact geworden: einem Netzwerk der Vereinten Nationen, das sich darum bemüht, im Wirtschaftsleben die ethischen und sozialen Prinzipien der UN umzusetzen.

 

Business&IT: Wohin wird sich nach Ihrer Einschätzung die

Unternehmens-IT in den kommenden Jahren entwickeln?

 

Dr. Zhigang Zhang: Ich rechne damit, dass der Trend eindeutig nicht nur hin zu Software as a Service bzw. Application as a Service gehen wird, sondern auch zu Infrastructure as a Service. Die Idee ist, dass ein Unternehmen nicht mehr über eigene Server und Software verfügen muss, sondern diese als Service-Dienstleistung angeboten bekommt – analog der Entwicklung bei der Wasser- oder Stromversorgung. Hatten Unternehmen früher eigene Generatoren oder Brunnen, werden sie heute von zentralen Dienstleistern versorgt. Die Generatorenanbieter mussten also ihr Geschäftsmodell entsprechend weiterentwickeln – so wie heute die Hard- und Software-Produzenten.

 

Quelle: Business&IT, November 2009