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Warum ist es am Rhein so schön? - Interview mit Dr. Zhigang Zhang, Vice President der ZTE Corporation für Europa und Nordamerika

 

 

Warum ist es am Rhein so schön?

 

Interview mit Dr. Zhigang Zhang, Vice President der ZTE Corporation für Europa und Nordamerika, über Handy-City und die Standortvorteile für internationale Anbieter von Telekommunikationstechnik

 

Wegen der Zentralen von Vodafone, Ericsson und E-Plus versteht Düsseldorf sich als Handy-City. Zurecht?

Unbedingt, und ich würde das noch erweitern wollen: Düsseldorf ist ein Zentrum der Telekommunikation, das beinhaltet auch die Netzinfrastruktur. Beispielsweise haben wir gerade zum Jahreswechsel einen Liefervertrag über ein schnelles HSPA+-Netz für den Netzbetreiber E-Plus unterzeichnet. Wir betrachten Kundennähe als strategischen Vorteil.

 

Welche Standortvorteile bietet die Stadt den Unternehmen gerade dieser Branche?

In Düsseldorf existiert eine Infrastruktur für alles, was die Telekommunikationsindustrie braucht. Als Beispiel nenne ich das MVTC, das Multi Vendor Testing Center. Das Center wird von Vodafone betrieben. Dort können alle Telekommunikationsunternehmen ihr Equipment testen. Die Testbedingungen dort sind exzellent, die Betreuung ist hervorragend. Wir haben gerade beschlossen, den Vertrag mit dem MVTC zu verlängern. Dann gibt es für uns als chinesisches Unternehmen natürlich noch den Vorteil, dass Düsseldorf sehr aktiv im Bereich China ist – Stichwort China Kompetenzcenter, Aktivitäten von NRW Invest, China-Desk der IHK sowie eine Infrastruktur an Restaurants und Geschäften, die auf Asiaten und Chinesen zugeschnitten sind. Außerdem ist die Verkehrsinfrasturktur auch sehr vorteilhaft für das internationale Geschäft.

 

Fühlen Sie sich durch die Stadt Düsseldorf und die deutsche Politik ausreichend unterstützt?

In Deutschland und speziell in Düsseldorf herrscht ein sehr positives Klima für chinesische Investitionen. Der Prozess der Globalisierung hat sich in den letzten Jahren verstärkt und betrifft immer mehr Branchen – nicht mehr nur den Handel, sondern auch die Telekommunikation. Unsere Expansion nach Deutschland ist ein natürliches Ergebnis der Globalisierung der Märkte, genauso wie Nokia und Ericsson in China aktiv sind. Dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten. Dadurch hat sich der Markt neu gemischt, die Strukturen haben sich verändert und letzten Endes profitieren davon die Endverbraucher auf der ganzen Welt. Vor diesem Hintergrund würden wir uns wünschen, dass die deutsche Politik dieser Entwicklung Rechnung trägt und chinesischen Unternehmen wie ZTE, die in Deutschland investieren und lokalen Mitarbeitern Arbeitsplätze und Perspektiven bieten, mit mehr Offenheit und Flexibilität begegnet. Die Politik und die staatlichen wie kommunalen Organisationen sollten sich auch einmal unser Geschäftsmodell anschauen und ihre Prozesse daran anpassen. Ich denke, dass hier so mancher Ablauf moderner gestaltet werden könnte.

 

Wer sind und wo sitzen Ihre wichtigsten Kunden?

Aus deutscher Sicht gesprochen sind unsere Hauptkunden die hiesigen Netzbetreiber bzw. auch deren internationale Mutterkonzerne. Das sind also die großen Mobilfunkbetreiber wie Vodafone, Deutsche Telekom, E-Plus und o2, sowie auch und auch MVNE’s, Serviceprovider und Systemintegratoren und andere. Unsere deutschen Kunden beliefern wir sowohl mit Mobiltelefonen und Datensticks für den mobilen Internetzugang als auch mit Systemtechnik für den Netzaufbau.

 

Haben Sie Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden?

Die Telekommunikationsbranche hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Aufgrund des starken Wachstums in der letzten Zeit und der regionalen Konzentration von Telekommunikationsunternehmen in Düsseldorf wie insgesamt in Nordrhein Westfalen ist es natürlich nicht ganz so leicht, gute Mitarbeiter zu gewinnen. Trotzdem konnten wir unser Team kontinuierlich und planvoll aufbauen. In den letzten zwei Jahren können wir einen Anstieg der Mitarbeiterzahl von mehr als 100 Prozent verzeichnen. Wir haben die Mitarbeiterstruktur so gestaltet, dass die aktuellen operativen Projekte und Geschäfte durch erfahrende Mitarbeiter sichergestellt werden können und gleichzeitig junge Mitarbeiter die Chance haben, sich in einem erfahrenen Team zu bewähren. Unsere Planungen gehen bereits dahin, dass wir überlegen, auch als Ausbilder aktiv zu werden. Da wir unsere Organisationen kontinuierlich aufbauen, haben sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene Experten aus dem Bereich Telekommunikation Chancen, bei uns im Pre-Sales, Aftersales als auch im kaufmännischen Bereich tätig zu werden. Chinesische Sprachkenntnisse sind für viele Bereiche kein „Muss“, aber gutes Englisch gehört – als unsere Konzernsprache – unbedingt dazu.

 

Wie viele Nationen arbeiten für Sie in Ihrem Düsseldorfer Team?

Wir haben bestimmt ein Duzend verschiedene Nationalitäten bei uns – neben Chinesen arbeiten bei uns auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den USA, aus England, Marokko, Griechenland, Indonesien und so weiter. Anhand dessen lässt sich schon erkennen, wie international unsere Firma ist.

 

Welche Vorteile sehen Sie in dem internationalen Charakter Ihrer Belegschaft?

Die verschiedenen kulturellen Hintergründe machen unsere Teams dynamisch. Hier kommen verschiedene Denkweisen zusammen, die Mitarbeiter lernen viel Neues. Das fördert das kreative Potential sehr und natürlich auch die Toleranz gegenüber Fremdem. Es gibt ein chinesisches Sprichwort: „Von der Stärke der anderen Lernen, um sich selbst zu verbessern“ – darum geht es uns. Im Übrigen empfehle ich viel Humor und Gelassenheit – damit lassen sich alle kulturellen Unterschiede gut überbrücken. Gutes Essen und gemeinsame Aktivitäten sind dabei sehr förderlich.

 

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren? Wo die Branche?

Die ZTE Deutschland GmbH wird in den nächsten Jahren weiter wachsen – aber darum geht es uns nicht ausschließlich. Was wir wollen, ist, ein noch verlässlicherer Partner für unsere Kunden zu werden. Wir wollen mehr Verantwortung im Bereich der Social Responsibility übernehmen, den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive bieten, dazu beitragen, dass sie sich entwickeln können, uns um ihre Ausbildung kümmern und versuchen, ihnen eine Heimat zu bieten. Für die Telekommunikationsbranche sind zehn Jahre eine sehr lange Zeit – die ZTE Corporation gibt es „erst“ seit 25 Jahren. Der technologische Wandel in dieser Zeit war enorm – man kann davon ausgehen, dass sich der Wandel noch beschleunigen, die Produktzyklen noch weiter verkürzen werden. Den Kunden werden in den nächsten Jahren sicher zunehmend mehr breitbandige Verbindungen ins mobile Internet zur Verfügung stehen. Als ein Zukunftsszenario könnte ich mir vorstellen, dass man in einigen Jahren Familienfeiern mit Videokonferenzen durchführt.

 

(Quelle: IHK-Magazin für Düsseldorf und den Kreis Mettmann, Ausgabe 03/2010)